Deutschland rüstet und rüstet und rüstet. Der deutsche Verteidigungshaushalt soll von 52 Milliarden Euro im Vorjahr auf 153 Milliarden im Jahr 2029 anwachsen. So hat es SPD-Finanzminister Lars Klingbeil ausgetüftelt. Er schöpft damit die Möglichkeit aus, die ihm der alte Bundestag geschaffen hat, der nach seiner Abwahl eigens dafür noch einmal zusammengekommen war. Und er nähert sich dem von Trump geforderten Nato-Ziel, das die Mitgliedsstaaten darauf einschwört, 5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in den Wehretat zu pumpen.

Von Investitionen reden die gern, die das jetzt beschliessen. Dabei sieht eine gute Investition anders aus. Völlig anders. Jeder Euro in Bildung kommt zehnfach zurück. Auch jeder Euro in Strassen, Schienen und Glasfaser rechnet sich vielfach. Jeder Euro in einen Panzer dagegen bleibt ein Euro, denn der Panzer steht im besten Fall herum, bis er rostet. Im schlechtesten wird er vorher zerschossen. Es gibt aus einer volkswirtschaftlichen Perspektive wenige Investitionen, die sich so schlecht rechnen wie die in Rüstungsgüter.

Warum es trotzdem geschieht? «Unsere Sicherheit und Freiheit sind in einem Masse bedroht, wie es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr der Fall war», machen uns Klingbeil, Merz und Co. weis. Natürlich ist das bullshit: Die Zeit, als die Grenze mitten durch Deutschland ging und sich zwei waffenstarrende Blöcke links und rechts der Berliner Mauer gegenüberstanden, haben sie offenbar völlig vergessen. Und auch den Tag, an dem ein Kanzler namens Gerhard Schröder den USA, die Deutschland in den Irakkrieg hineinziehen wollten, die kalte Schulter zeigte, haben sie verdrängt.

Damit ist klar: Zur Rechenschwäche gesellt sich alternativloses Denken. Deutschland wird noch immer nicht gut regiert.