Die vergangenen Monate haben den Investoren einiges an Nerven abverlangt. Egal ob Aktien, Obligationen, Edelmetalle oder Kryptowährungen – es dominierte die Farbe Rot.

Diese Woche ist das Bild etwas freundlicher: Der S&P 500 schloss gestern auf dem höchsten Stand seit über einem Monat. Ebenso der SMI, der Anfang Woche um 3 Prozent zulegte. Auch beim Gold ging es zur Abwechslung wieder einmal ein bisschen aufwärts.

Die grossen Gewinnerinnen sind die Kryptowährungen, die, von ihren Tiefständen in der vergangenen Woche ausgehend, zweistellig zulegten: Der Bitcoin stieg von nur noch 17.500 Dollar letzte Woche auf jüngst fast wieder 24.000 Dollar, Ethereum verdoppelte sich fast im Wert.

Auch in der momentanen Hausse zeigt sich ein Bild, das sich zuvor im Abschwung bemerkbar machte: In turbulenten Zeiten korrelliert kurzfristig fast alles mit allem. Wenn es aufwärts geht, geht es aufwärts und wenn es abwärts geht, geht es abwärts.

Bemerkenswert ist höchstens, dass sich die Kryptowährungen zu einem Vergrösserungsglas der übrigen Marktschwankungen entwickelt haben – wollten sie nicht ein Marktsystem erfinden, das den Fehlern und Schwierigkeiten der Papiergeld-Welt entrückt ist, wie etwa der Inflation?

Die grosse Frage ist, wie es weiter geht – verstetigt sich die freundliche Entwicklung, sodass die Investoren doch noch einen guten Sommer erleben? Oder geht es schon bald wieder abwärts – mit allem?

An der Saat für neue Verwerfungen mangelt es nicht:

Sollte Mario Draghi in Italien abtreten, würde er vermutlich den Euro auf Talfahrt schicken und unbequeme Erinnerungen an die Euro-Krise heraufbeschwören.

Sollte Putin nach den Wartungsarbeiten von Nord Stream 1 den Gashahn nicht wieder aufdrehen, fällt Europa mit Sicherheit in eine Rezession. Heulen und Zähneklappern ab Herbst garantiert.

Sollte die amerikanische Federal Reserve diese Woche ihre Gangart gegen die Inflation verschärfen und den Leitzins um einen Prozentpunkt – statt wie allgemein erwartet um 0,75 Prozentpunkte – erhöhen, ist die gute Stimmung an der Wall Street rasch wieder vorbei.

Die Wahrscheinlichkeit, dass keines dieser drei Bleigewichte die Märkte wieder nach unten zieht, ist eher klein. Für Investoren, die jetzt einen (Wieder-)Einstieg erwägen, ist der Zeitpunkt zumindest riskant.