Wären alle Länder so neutral, wie es die Schweiz einst war, gäbe es keine Kriege auf der Welt. Und die Schweiz darf nicht aufgeben, was richtig wäre, wenn es alle täten.
Die Schweiz muss zurück zur dauernden, bewaffneten und umfassenden Neutralität, im Frieden wie im Krieg. Nur so bleibt sie glaubwürdig als neutraler Staat. Und sicher.

Dauernd: immer, stetig, unverrückbar, nicht von Fall zu Fall wie Schweden oder das EU-Mitglied Österreich, das als EU-Mitglied gar nicht neutral sein kann.
Bewaffnet: Die neutrale Schweiz braucht eine Armee, die im Ernstfall in der Lage ist, das Land gegen einen Aggressor zu verteidigen. Die Ukraine beweist, dass Selbstverteidigung auf vertrautem Terrain gegen einen überlegenen Gegner möglich ist.
Umfassend: Die Schweiz hält sich raus. Sie greift nicht an, macht nicht mit, liefert weder Waffen noch Munition. Sie verzichtet, selbstverständlich, auch auf die fürchterliche Hungerwaffe der Sanktionen.

Neutral heisst, dass man sich auf keine Seite schlägt. Man hält im Frieden Abstand von Bündnissen, die einen in Kriege ziehen können.
Neutralität steht immer quer zur Zeit. Im Frieden erinnert sie an die Möglichkeit des Kriegs, im Krieg an die Chance eines Friedens.
Im Krieg bleibt man neutral gegenüber allen Seiten. Der Neutrale ist niemals Kriegspartei. Er hält Abstand, setzt sich zwischen alle Stühle.
Darum wird der Neutrale nicht geliebt. Von allen Seiten hagelt es Kritik. Neutralität ist anspruchsvoll. Sie braucht Standkraft und Überzeugung. Neutralität macht einsam. Man muss es verkraften.

Neutralität bedeutet aber auch, dass sich die Schweiz als Staat zurückhält. Schweigen ist Gold, Reden ist nicht mal Silber. Der Neutrale muss «stillesitzen» können.
Die Schweizer Neutralität hat sich bewährt. Sie hat unser Land von Kriegen verschont.
Putins Überfall auf die Ukraine ist keine «Zeitenwende». Ganz im Gegenteil. Angriffskriege gab es immer, verbrecherische Aggressoren auch. Unsere Neutralität war, ist, bleibt aktuell.
Neutralität ist aber auch nützlich für die Welt. Sie garantiert nicht nur die Sicherheit des neutralen Staats und seiner Bewohner. Sie hält auch eine Perspektive für den Frieden aufrecht.
Als die Schweiz noch neutral war, trafen sich Russlands Präsident Putin und US-Präsident Biden in Genf. Neutral ist, wer von beiden Konfliktparteien als neutral anerkannt wird.
Nach dem Neutralitätsbruch des Bundesrats sagten die Russen ihre Teilnahme am geplanten Aussenministertreffen in Genf ab. Sie bezeichnen die Schweiz als «unfreundlichen» Staat.
Die Schweiz ist nicht mehr neutral. Der Bundesrat hat die Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland übernommen, eins zu eins, und die Schweiz damit zur Kriegspartei gemacht.
Wer auf die schiefe Bahn gerät, rutscht immer weiter ab. Die aneinanderrückenden Mitteparteien FDP und Ex-CVP wollen schon Waffen und Munition in die Ukraine liefern. Wann folgt der Ruf nach Truppen?

Neutralität heisst «stillesitzen», aber Politiker können nicht stillsitzen. Sie rennen herum, pilgern nach Kiew. Die Fessel der Neutralität stört ihre Kreise, ihre Selbstverwirklichung.
Mitte-Präsident Gerhard Pfister hält die Neutralität, die unserem Land in zahllosen Kriegen das Überleben sicherte, für «unanständig». Moralismus macht blind – und überheblich.
FDP-Chef Thierry Burkart möchte Schweizer Waffen nur an demokratische Kriegsparteien liefern. Aggressoren und Brecher des Völkerrechts sollen leer ausgehen.

Abgesehen davon, dass einseitige Schweizer Waffenlieferungen an Kriegsteilnehmer verboten sind: Wie soll das gehen? Muss der Bundesrat eine Gerechtigkeits-Task-Force gründen, um die Kriegsparteien weltweit zu sortieren? Warum sind FDP und Mitte gegen die Neutralität? Es ist das alte Lied. Die Kräfte hinter Burkart und Pfister streben in die Europäische Union. Deshalb muss die Neutralität ausgehöhlt, beseitigt werden.

Die Schweizerische Volkspartei (SVP) steht als einzige Bundesratspartei noch vorbehaltlos hinter der neutralen Schweiz. Wird sie die Kraft haben, im Sturm der Emotionen Kurs zu halten?