Früher gab des den «hässlichen Deutschen», der von Zeit zu Zeit angeblich seine Maske fallen liess. Heute behält er sie lieber auf. Wer sich auf Facebook oder in Internetforen unter Deutschen umhört, trifft auf ganze Timelines voll von Leuten, die auch noch nach einem möglichen Ende der Maskenpflicht den antiviralen Kummerbund aufbehalten wollen. Man weiss ja nie.

Vorsicht ist die Mutter von Karl Lauterbach. Und mit halbem Gesicht ist der Deutsche nur halb so hässlich.
Im Ernst: Die «German Angst» ist in Germany mindestens so infektiös wie Sars-CoV-2, und die Vorstellung, nach dem beschlossenen Ende der meisten Anti-Corona-Massnahmen gewissermassen wehrlos in der frischen Frühlingsluft zu stehen, treibt in den Talkshows kräftig Blüten.
Egal, dass die jetzigen Inzidenz-Höchststände unter dem Regime der bisher geltenden vollen Werkzeugkiste zustande kamen, dass die Corona-Party nach Beginn der Impfkampagne erst so richtig in Schwung kam und noch keine Massnahme wirklich wirksam die Seuche eindämmte. Angst essen Serum auf.

In einem Land, in dem der Ukraine-Krieg zwar für Schrecken sorgt, gleichzeitig aber die Klickzahlen für die richtige Alterssicherung («Mit diesen Aktien machen Sie ihre Rente fit!») in die Höhe treibt, ist die Corona-Abwehr längst zur rituellen Abwehr der bösen Aussenwelt geworden.
Helm ab, Maske auf zum Gebet!

Ralf Schuler ist Politikchef des Nachrichtenportals NIUS und betreibt den Interview-Kanal «Schuler! Fragen, was ist». Sein neues Buch «Generation Gleichschritt. Wie das Mitlaufen zum Volkssport wurde» ist bei Fontis (Basel) erschienen.