2022 war für alle kein gutes Anlagejahr. Selbst Bankguthaben in Franken verursachten wegen der Negativzinsen oft Einbussen. Auch unsere AHV, IV und EO (Erwerbsersatzordnung für Militärdienst) haben Geld verloren. Sie werden bekanntlich vom Ausgleichsfonds des Bundes, der Compenswiss, verwaltet.

Die Performance des zu Jahresbeginn 2022 noch rund 40,9 Milliarden Franken schweren Anlagevermögens wird mit minus 12,85 Prozent ausgewiesen. In Franken ausgedrückt waren das satte 5 Milliarden.

Die AHV verlor 4,4 Milliarden (minus 12,4 Prozent), die IV 416 Millionen (minus 11,2 Prozent) und die Erwerbsersatzordnung 185 Millionen Franken (minus 12,2 Prozent). Die zum Vergleich oft verwendeten Pensionskassen-Indizes des Bankhauses Pictet mit Aktienanteilen von 25 bis 60 Prozent haben 2022 zwischen 14,2 und 15,7 Prozent eingebüsst. Damit könnte der falsche Eindruck entstehen, die Ausgleichsfonds-Anlageverantwortlichen hätten vergleichsweise sogar noch gut abgeschnitten.

Diese Index-Vergleiche hinken allerdings, denn im Gegensatz zu den realen Portfolios weisen Indizes keine Bargeldanteile auf, und sie werden auch nicht gegen Währungs- und Kursverluste auf Aktien und Obligationen abgesichert. Der Vergleich mit den realen Pensionskassenvermögen, die von der Credit Suisse und der UBS betreut werden, zeigen ein anderes Bild. Der Ausgleichsfonds liegt deutlich zurück.

Die von der Credit Suisse verwalteten Portfolios erlitten einen Verlust von 9,62 Prozent. Auch die von der UBS verwalteten Pensionskassen-Portfolios verloren mit 9,57 Prozent weniger als der Ausgleichsfonds.

Schon im Vorjahr haben die CS und die UBS den Ausgleichsfonds (plus 5,3 Prozent) mit je 8,3 Prozent Rendite deutlich übertroffen. Innert nur zweier Jahre haben die Compenswiss-Vermögensverwalter somit 6 Prozent weniger verdient als die Pensionskassenkunden der Credit Suisse und der UBS.

Rechnet man das auf das Vermögen des Ausgleichsfonds von 38,5 Milliarden zu Beginn von 2021 hoch, wurden in zwei Jahren rund 2,4 Milliarden Franken weniger erwirtschaftet als mit den Vergleichsportfolios der beiden Grossbanken. Was nützen etwas geringere Verwaltungskosten der AHV im Vergleich zu den Pensionskassen, wenn dafür die Performance prozentweise hinter jener der Pensionskassen bleibt?

Woran liegt das enttäuschende Resultat? Der grosse Unterschied bei der Aufteilung des Vermögens des Ausgleichsfonds auf Anlageklassen im Vergleich zur Credit Suisse und zur UBS besteht darin, dass der Ausgleichsfonds viel mehr Anleihen in Fremdwährungen hält. Damit hat er im vergangenen Jahr relativ viel Geld verloren.

Die Anlagestrategie der Verwalter des Staatsfonds überrascht, weil die Erfahrung zeigt, dass bei einer Zinswende die Zinsen im Ausland jeweils stärker ansteigen als im Franken. Man kann sich nicht damit herausreden, dass die Struktur der AHV-Versicherten anders sei als bei den Pensionskassen, denn die Gesamtheit der Pensionskassen bei den Grossbanken ist wohl ebenfalls repräsentativ für die gesamte Schweiz und wird eine ähnliche Altersstruktur wie die AHV aufweisen. In jedem Falle gibt es kaum Gründe, warum die AHV grössere Risiken als die Pensionskassen eingehen sollte.

In früheren Jahren hat die Compenswiss nicht nur Währungs-, sondern auch Zins- und Aktienkursrisiken abgesichert, wie die Aufstellung über die Beiträge an das Anlageergebnis zeigen. Ausgerechnet im vergangenen Jahr war dies offensichtlich nicht mehr der Fall. Die im Geschäftsbericht veröffentlichten Ertragserwartungen für 2022 von 1,6 Prozent waren unrealistisch, denn alle Notenbanken hatten schon Ende 2021 einen Kurswechsel angekündigt.

Eine alte Börsenweisheit besagt: «Never fight the Fed.» (Stell dich nie gegen die Notenbank.) Umso unverständlicher ist deshalb der Verzicht auf Zinsabsicherungen genau zum Zeitpunkt, wo diese notwendig gewesen wären.