Thailands Konservative haben erstmals seit Beginn des 21. Jahrhunderts eine Parlamentswahl klar gewonnen. Die Thai-Pride-Partei (Bhumjaithai, BJT) unter Premierminister Anutin Charnvirakul erzielte bei den Wahlen vom 8. Februar einen überraschenden Sieg – und läutet damit eine neue politische Phase ein, in der Stabilität wahrscheinlicher, aber Reformen unwahrscheinlicher geworden sind, berichtet der Economist.
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Laut inoffiziellen Ergebnissen wird die BJT knapp zwei Fünftel der Sitze im Parlament halten. Damit könnte Anutin eine stabile konservative Koalition bilden – ohne auf die Unterstützung der populistischen Lager angewiesen zu sein. Für Thailand, das seit der Asienkrise 1997 von Instabilität und häufigen Machtwechseln geprägt war, wäre dies eine Zäsur.
Der 59-jährige Anutin, Sohn eines Bauunternehmers, sicherte sich seine Unterstützung in ländlichen Regionen über lokal verankerte Kandidatennetzwerke. Zugleich setzte er in Schlüsselministerien auf Technokraten. Zwei Grenzkonflikte mit Kambodscha im Vorjahr schürten zudem einen Nationalismus, der seiner Partei Auftrieb verlieh.
Die liberalen Kräfte, die sich 2024 zur neuen People’s Party zusammengeschlossen hatten, stehen vor einem Scherbenhaufen. Zwar erhielten sie landesweit die meisten Stimmen, doch diese konzentrierten sich auf urbane Regionen – unter Thailands Mehrheitswahlrecht ein strategischer Nachteil. Die Partei wird nicht nur in der Opposition bleiben, sondern voraussichtlich keinen Einfluss auf die Ausarbeitung einer neuen Verfassung haben, die per Referendum parallel zur Wahl beschlossen wurde.