Das Französische kennt nicht viele deutsche Lehnworte. Und die meisten davon sind unschön: «Blitzkrieg» etwa oder «Waldsterben». Ein weiteres hässliches Wort, das Eingang in die französische Sprache gefunden hat, ist das «Berufsverbot».

Der Hintergrund: Im Januar 1972 erliess die deutsche Regierung unter Willy Brandt den sogenannten «Radikalenerlass». Sein Ziel war es, vermeintliche oder tatsächliche Verfassungsfeinde im öffentlichen Dienst zu verhindern, und er war eine Reaktion auf die 68er und den angekündigten Marsch durch die Institutionen. Nicht nur im Deutschland selbst, auch im Ausland wurde der Erlass kritisiert. Der französische Philosoph Jean-Paul Sartre und der Vorsitzende der Sozialistischen Partei Frankreichs, ein gewisser François Mitterrand, protestierten. So kam das «Berufsverbot» in das Französische.

Fünfzig Jahre nach dem Radikalenerlass spielt man in Deutschland wieder einmal mit Berufsverboten. Die Pointe daran: Heute sind es die politischen Kinder der Radikalen von einst, die nun ihrerseits zu diesem totalitären Mittel greifen, um sich eines politischen Gegners auf undemokratische Weise zu entledigen.

Allen voran geht wieder einmal Anton Hofreiter. In einem Interview mit der Funke-Mediengruppe sprach er sich am Sonntag dafür aus, AfD-Mitglieder aus dem Staatsdienst zu entfernen. Die AfD werde vom Verfassungsschutz überwacht, «daher haben AfD-Mitglieder im Staatsapparat nichts zu suchen. Rechtsradikale Beamte sollten von ihren Aufgaben entbunden werden.»

Fragwürdig ist schon Hofreiters Begründung, die AfD werde durch den Verfassungsschutz «überwacht». Abgesehen davon, dass sich hier tatsächlich Fantasien vom Überwachungsstaat unschön Bahn brechen, gibt es diese Kategorie im Bundesverfassungsschutzgesetz überhaupt nicht. Aber das ist eigentlich schon eine Lappalie.

Viel gravierender wiegt der Eifer, mit dem heutzutage unter Grünen und Sozialdemokraten wieder über Berufsverbote diskutiert wird. Unter dem Vorwand, die Demokratie zu retten, arbeitet man an der eigenen Machtsicherung mit Hilfe juristischer Mittel. Das wird der Demokratie mehr schaden, als es die AfD je könnte.