Der bayerische Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat eingeräumt, dass er seine Zustimmung zur Grundgesetzänderung für das milliardenschwere Schuldenpaket von Union und SPD unter massivem Druck gegeben habe. «Wenn ich es wollte, stünde ich jetzt nicht als stellvertretender Ministerpräsident und Minister hier, sondern wäre schon heute entlassen, und am Freitag würde ohne mich die Hand gehoben», so Aiwanger in einem Interview mit «RTL Direkt».

Hintergrund ist die Abstimmung im Bundesrat, bei der eine Zweidrittelmehrheit für die Verfassungsänderung notwendig ist. Die Stimmen aus Bayern gelten als entscheidend.

Noch vergangene Woche hatten die Freien Wähler das Vorhaben deutlich kritisiert. Inzwischen einigten sich CSU und Freie Wähler im Koalitionsausschuss auf ein gemeinsames Ja. Laut Aiwanger hätte Bayern im Bundesrat ohnehin zugestimmt – mit der SPD als möglichem neuen Koalitionspartner.

Aiwanger rechtfertigt seine Kehrtwende nun mit dem Ziel, Einfluss auf die Verwendung der Mittel zu behalten. «Das sinnvolle Einsetzen dieser Gelder zu fordern, ist doch allemal besser, als zu sagen, ich bin daran gescheitert», so der Wirtschaftsminister.