Die Europäische Union bereitet sich auf eine mögliche Eskalation im transatlantischen Handelsstreit vor. Wie EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen erklärte, ist Brüssel bereit, auf die von Donald Trump angekündigten US-Zölle mit eigenen Gegenmassnahmen zu reagieren – will aber zunächst vier Wochen lang verhandeln, bevor Strafmassnahmen umgesetzt werden. Das berichtet die Financial Times.

Die angedrohten US-Zölle betreffen sämtliche Güter. Von der Leyen betonte, man arbeite bereits an einem ersten Paket von Gegenzöllen auf US-Waren im Umfang von bis zu 26 Milliarden Euro. Sollte Washington nicht einlenken, könnte die EU ab Mitte April Vergeltung üben.

Gleichzeitig signalisierte Brüssel Verhandlungsbereitschaft. Ziel sei es, «verbleibende Handelsbarrieren» im transatlantischen Verhältnis zu beseitigen. «Zölle als erstes und letztes Mittel zu verwenden, löst die Probleme des Welthandelssystems nicht», so von der Leyen. Die weltweite Wirtschaft werde unter einem Zollkrieg leiden – auch die US-amerikanische.

Hinter den Kulissen wächst jedoch der Druck auf die EU-Kommission, bestimmte Branchen zu verschonen. Frankreich etwa fordert Ausnahmen für Bourbon-Whiskey, Irland für Milchprodukte. Italiens Premierministerin Giorgia Meloni, eine Trump-Verbündete, sprach sich offen gegen die Zölle aus und will einen separaten Deal mit den USA.

Donald Trump hatte die EU zuletzt beschuldigt, mit einem effektiven Zollsatz von 39 Prozent die USA systematisch zu benachteiligen – ein Wert, den Brüssel vehement bestreitet. Tatsächlich sei der durchschnittliche EU-Zollsatz gegenüber den USA lediglich rund 1 Prozent.

Die EU könnte als nächsten Schritt US-Firmen wie Mark Zuckerbergs Meta-Konzern, Apple oder der Google-Mutterfirma Alphabet ins Visier nehmen, etwa durch Einschränkungen beim geistigen Eigentum oder bei der Vergabe öffentlicher Aufträge. Auch das neue «Anti-Coercion»-Instrument könnte erstmals zum Einsatz kommen.