Die Schweiz ist stolz auf die «Friedenskonferenz» zur Ukraine, die sie auf dem Bürgenstock ausrichten will. Verteidigungsministerin Viola Amherd beschwört die «humanitäre Tradition» der Eidgenossenschaft, Aussenminister Ignazio Cassis jettet auf Werbetour in der Welt herum.

Derweil kommt ätzende Kritik aus dem Kreml. Russlands Präsident Wladimir Putin kritisierte die doppelten Standards: Russland werde nicht eingeladen, gleichzeitig gebe man zu, dass ohne Moskau nicht entschieden werden könne.

Putin betonte, er sei zu Verhandlungen bereit, allerdings nicht über Fantasiepläne, «die nichts mit der Realität zu tun haben».

Dazu gilt es zweierlei festzustellen: So ungern es der Westen hören mag, Putin trifft einen wunden Punkt. Es kann, das ist logisch, keine Verhandlungen zwischen zwei Parteien geben, wenn eine Partei nicht dabei ist.

Noch weniger gern wird der Westen hören, dass Friedensverhandlungen nur dann erfolgreich sein können, wenn beide Seiten Zugeständnisse machen, also auch die Ukraine, auch der Westen.

Putin weiss das. Und die aktuellen Erfolge auf dem Schlachtfeld veranlassen ihn dazu, kühl, kalt, cool zu bleiben.

Und die Schweiz? Ihr Vorstoss ist löblich. Es ist und bleibt ihre Aufgabe als neutraler Staat, diplomatisch Frieden anzustiften in der Welt. Nur wäre das glaubwürdiger und hätte mehr Chancen auf Erfolg, wenn sie ihre Neutralität konsequent leben würde. Das hat sie – nicht nur in den letzten Monaten, nicht nur in Bezug auf den Ukraine-Krieg – leider vermissen lassen.