Estland und Litauen sind besorgt über ein mögliches Ende der Kampfhandlungen in der Ukraine. Ein Waffenstillstand könnte ihrer Ansicht nach die Sicherheit an den Ostgrenzen der Nato massiv gefährden. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf die Verteidigungsminister beider Länder.

Estlands Verteidigungsminister Hanno Pevkur erklärte, dass Russland im Falle eines Friedensschlusses rund 300.000 Soldaten von der ukrainischen Front abziehen und an die Westgrenze verlegen könnte. «Das Bedrohungsniveau würde dann sehr schnell deutlich ansteigen», sagte Pevkur. Man dürfe nicht in die Falle tappen, dass westliche Truppen zu stark in der Ukraine gebunden seien und dadurch die östliche Flanke der Nato ungeschützt bleibe.

Auch Litauens Verteidigungsministerin Dovile Sakaliene warnte: «Russland wird die Zeit nach einem Waffenstillstand nutzen, um seine militärischen Fähigkeiten auszubauen. Es verfügt bereits über eine kampferprobte Armee, die weiter wächst.» Illusionen über ein dauerhaft friedliches Russland nach dem Ukraine-Krieg seien gefährlich.

Demgegenüber stehen Äusserungen von US-Diplomat Steve Witkoff, der jüngst Präsident Wladimir Putin in Moskau traf. Er erklärte gegenüber dem Journalisten Tucker Carlson, Russland sei «zu 100 Prozent nicht» an einer Invasion von Nato-Staaten interessiert. Solche Befürchtungen bezeichnete Witkoff als «absurd».

Trotz diplomatischer Bemühungen wie einer 30-tägigen Feuerpause gegen Energieinfrastruktur und Gesprächen über das Getreideabkommen im Schwarzen Meer scheint ein umfassender Waffenstillstand noch in weiter Ferne.