Schon fast im Wochentakt ziehen in diesem Sommer Unwetter über die Schweiz und richten in den Berggebieten teils schwere Verwüstungen an.

Der vermeintliche Schuldige ist dabei jeweils schnell gefunden: der Klimawandel. Aufgrund des Klimawandels käme es vermehrt zu heissen, nassen Sommern. Der Link, der dieses Argument zusammenhält: Heisse Luft kann mehr Feuchtigkeit speichern. Kommt es zu Unwettern, dann regnet es länger und stärker.

Ganz allgemein gebe es eine Verschiebung der Niederschläge von den Wintermonaten in die Sommermonate.

Allerdings widerspricht gerade das laufende Jahr dieser These: Im Spätwinter schneite es überdurchschnittlich, und der bisherige Sommer ist im Mittel der letzten Jahre eher kühl. Kein Wunder: Es regnet ja auch die ganze Zeit.

Schaut man sich die Sommertemperaturen an, dann stellt man tatsächlich fest: Diese sind in den letzten fünfzig Jahren gestiegen – und zwar nicht unerheblich.

Ganz anders jedoch die Unwetterschäden: Hier ist gemäss den Daten der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landwirtschaft kein steigender Trend festzustellen. Vielmehr treten grosse Unwetterschäden sporadisch auf: In den Jahren 1978, 1987, 1993, 1999, 2000, 2005 und 2007 waren diese besonders gross.

Das letzte Jahr mit überdurchschnittlichen Schäden durch Hochwasser und Murgänge war 2021. Zu bemerken zu diesen Zahlen ist: Es sind dies jährliche Schadensummen. In den grossen Schadensjahren sind die Schäden jedoch meist die Folge von Unwettern im Sommer.

Schaut man sich nicht die langfristigen, sondern die kurzfristigen Trends an, dann stellt man fest: In den Jahren mit grossen Unwetterschäden liegen die Sommertemperaturen im Vergleich zu den angrenzenden Jahren tiefer. Es sind somit nicht die absoluten Hitzejahre, in denen die grössten Schäden auftreten.

In jedem einzelnen der erwähnten Jahre 1978, 1987, 1993, 1999, 2000, 2005, 2007 und 2021 mit überdurchschnittlichen Unwetterschäden lag die durchschnittliche Sommertemperatur unter derjenigen des unmittelbar vorhergehenden und nachfolgenden Jahres. Im Mittel betrug die Abweichung zwischen einem halben und eineinhalb Grad.

Oder anders gesagt: Es gibt keine Korrelation zwischen Sommertemperaturen in der Schweiz und den Unwetterschäden. Weder langfristig noch kurzfristig. Ganz im Gegenteil ist die Korrelation, wenn schon, sogar leicht negativ.

Die These von den durch den Klimawandel bedingten heissen Sommern mit folgenschweren Unwettern ist somit nichts anderes als ein Sommermärchen. Exemplarisch zeigt dies der Hitzesommer 2003: Kaum jemals in den letzten fünfzig Jahren waren die Unwetterschäden geringer als damals.

Thomas Baumann ist Ökonom, freier Autor und ehemaliger Bundesstatistiker.

Thomas Baumann ist Ökonom und freier Autor.