Auf den Redaktionen sind sie derzeit begeistert von der künstlichen Intelligenz. Sie macht die Arbeit leichter. Vor allem standardisierte Artikel wie Verkehrsmeldungen, Bilanzanalysen und Sportberichte braucht man nicht mehr selber zu schreiben. Das macht nun die maschinelle KI.

Ich muss also aufpassen, wenn ich meine heutige Kolumne durch die KI schreiben lasse. Wenn der Köppel Roger mich durch eine Maschine ersetzen kann, dann wird er das auch tun.

Schauen wir also, was die KI kann. Ich nehme dazu die Software von Chat GPT, der derzeit populärsten KI-Anwendung im Journalismus.

Beginnen wir mit dem Autor. Ich habe die KI gefragt, wer denn dieser Kurt W. Zimmermann sei. Hier die Antwort:

«Als Medienkritiker ist Kurt W. Zimmermann bekannt für seine scharfsinnigen Analysen und kritischen Kommentare. Er hinterfragt die Rolle der Medien, deren Einfluss auf die Gesellschaft und die Qualität der Berichterstattung. Zimmermanns Kritiken sind fundiert, gut recherchiert und regen dazu an, über die Rolle und Verantwortung der Medien nachzudenken.»

Ha! Da sieht man mal, wie intelligent die künstliche Intelligenz ist. Ich könnte das nicht hübscher formulieren.

Und was ist die Weltwoche? Auch hier weiss die KI, was Sache ist:

«Die Weltwoche ist eine bekannte Schweizer Wochenzeitung. Sie wurde lange Zeit von Roger Köppel geleitet, der als Chefredakteur bekannt war. Die Weltwoche gilt als konservative Publikation und zeichnet sich durch ihre kritische Berichterstattung und pointierte Kommentare aus. Sie hat eine treue Leserschaft und ist für ihre kontroversen Artikel und Meinungsbeiträge bekannt.»

Auch hübsch formuliert, wenn man mal davon absieht, dass Köppel, anders als gesagt, immer noch am Ruder ist.

Die Disziplin des Hinterfragens ist nicht ihre Sache, weil hier Geistesakrobatik gefragt ist.

Generell aber gilt: Die KI zur Weltwoche, wie auch zu Zimmermann, ist viel zu nett.

Und damit wären wir beim Problem der KI. Ihre Suchalgorithmen klopfen Millionen von Texten auf Internetseiten und in den Social Media ab und generieren daraus ihre journalistischen Artikel. Sie erkennen primär Nivellierungen in den Daten. Konflikte und Widersprüche hingegen können sie schwer bewältigen, weil sie numerisch und nicht wertend agieren.

Ich mache zur Illustration zwei Beispiele aus meinen Kolumnen. Im letzten Jahr habe ich etwa Thomas Bucheli von «Meteo» kritisiert, weil er viel zu hohe Hitzewerte prognostizierte. Die Medien machten daraus eine Sommer-Affäre. Was sagt die KI, weiterhin Chat GPT, zum Thema?

«Thomas Bucheli ist ein Meteorologe, der als Wetterexperte beim Schweizer Fernsehen tätig ist. Er präsentiert regelmässig das Wetter und meteorologische Informationen. Seine Berichterstattung zu Hitzeereignissen trägt dazu bei, dass die Zuschauer besser informiert sind und angemessen auf solche Wetterbedingungen reagieren können.»

Nun, «besser informiert» war das nicht.

Dann habe ich in Kolumnen über die verfilzte Liaison zwischen Bundesrat Alain Berset und Ringier-Chef Marc Walder geschrieben, die ich für unstatthaft hielt. Was sagt die KI dazu?

«Alain Berset ist ein Schweizer Politiker, der seit 2012 im Bundesrat tätig ist. Marc Walder ist CEO der Ringier AG. Es scheint keinen direkten persönlichen oder politischen Bezug zwischen Alain Berset und Marc Walder zu geben, da sie in unterschiedlichen Bereichen tätig sind. Es ist daher wahrscheinlich, dass ihr Verhältnis eher neutral ist und nicht besonders eng oder bekannt.»

Nun, «eher neutral» war das nicht.

Wir kommen zum Fazit: Für standardisierte Artikel wie Verkehrsmeldungen, Bilanzanalysen und Sportberichte ist die künstliche Intelligenz problemlos. Sie liefert hier vielfach präzise Information. Auch für die Darstellung von Personen und Institutionen ist sie brauchbar, wenn diese nicht gross in Frage gestellt werden sollen.

Wo die KI bisher wenig taugt, ist der kritische Journalismus. Die Disziplin des Hinterfragens ist nicht ihre Sache, weil hier nicht Zahlenakrobatik, sondern Geistesakrobatik gefragt ist. Das schafft die algorithmische Software nicht, weil sie nur bestehende Daten auswerten und keine Innovation auslösen kann. Für griffige News braucht es denn weiterhin profilierte Journalisten und nicht nur professionelle Informatik.

Ich denke, da habe ich noch mal Schwein gehabt. So schnell kann mich Köppel Roger doch nicht durch eine Maschine ersetzen.