Ich habe eine Frage: Wo sind die Tiere? Zweimal habe ich den Zoo Zürich, dessen Direktor Sie sind, besucht. Und kaum Tiere gesehen. Die grosse Ausnahme waren die Hyänen, die plötzlich zur grössten Attraktion avancierten, weil sich sonst kaum etwas bewegt. Ich habe noch ein paar Äffchen, vier Hühner und ein paar Ziegen entdeckt.

Was für mich völlig neu ist, sind die grossen Tierattrappen, zwei gigantische Nashörner, ein Bär und ein exotischer Hirsch, sehr gut gemacht. Irgendwo hiess es auch, dass der Zoo sich im Umbau befindet, dass gewisse Tiere grössere Gehege kriegen, dass das Ganze bis 2050 fertig sein wird.

Dann werden meine Kinder pensioniert!

Es stand da auch, dass bei kälterem Wetter die Tiere sich in die Ställe zurückziehen. Eine Freundin meinte, die Zoos machten halt alles, dass sich die Tiere nicht beobachtet fühlten. Aber genau dafür gehe ich doch in den Zoo. Die Tiere verkriechen sich also, und wir blicken in leere Landschaften und hoffen, dass da gleich ein Löwe um die Ecke kommt. Vergebens.

Der Clou Ihres tierlosen Zoos sind die vielen Pinguine gleich beim Eingang: aus Plastik! Rund zwanzig Stück, auf denen die kleinen Kinder herumturnen. Das gibt’s doch nicht! Der Zoo empfängt seine Besucher mit Plastiktieren … Die echten Pinguine habe ich auch entdeckt, weit oben, hinter einem Felsen. Es ist, als ob man zum Autosalon ginge und einem dort nur Dinky-Toys-Autos präsentiert würden. Oder ins Kunstmuseum, und es gibt nur Postkarten.

Ich bin auch dafür, die Bedürfnisse der Tiere zu respektieren, aber wie wär’s, Sie würden auch auf unsere Bedürfnisse achten? Ich will echte Tiere sehen. Sonst kann ich gleich zu Hause bleiben und mir einen Tierfilm reinziehen.

Am meisten Kinder hat’s übrigens in Ihrem Shop, wo man Plastiktiere in jeder Grösse kaufen kann. Vielleicht schätzen Sie eher Besucher, die gar nicht an lebenden Tieren interessiert sind.

Mit freundlichen Grüssen

Peter Rothenbühler